Mecklenburger Seenrunde 2017

Fahrtbericht Mecklenburger Seenrunde 2017:

Am 27.05.17 um 7 Uhr am Morgen hatte die lange für einen Sprinter ungewohnte Langstrecken-Vorbereitung ein Ende und ich stand in Neubrandenburg am Start der Mecklenburger Seenrunde. Das bedeutete 300 Kilometer wunderschöne hügelige Landschaft und durchwachsene Qualität der Straße. 

In der 7 Uhr-Startgruppe standen nur das AOK Racing-Team unter anderem mit meinem Tandempiloten Stefan Nimke und das Team der Deutschen Post am Start. Als letzte und damit am schnellsten kalkulierte Gruppe, rollten wir die ersten Kilometer erst mal recht gemütlich los, bis wir uns in unserer Formation eingefunden hatten und langsam das Tempo anzogen. Die ersten etwa 125 Kilometer verliefen recht unspektakulär. Wenn ich an der Reihe war, leistete ich meine Führungsarbeit und ordnete mich dann wieder in die Formation ein. Dieses Prozedere sorgte in der Gruppe für ein konstant hohes Tempo und bedeutete für die Fahrer immer einen Wechsel von hoher Belastung und Entspannung, wenn man sich wieder hinten in die Formation einordnete. Das Wetter hielt sich sehr sonnig und schon früh morgens warm. Durch den tiefen Stand der Sonne früh am Morgen durch die Bewaldung am Straßenrand war die Sicht teilweise sehr schwierig für alle Beteiligten, also musste man den Lenker immer gut festhalten um bei einem unerwarteten Schlagloch nicht zu stürzen. Etwa die letzte Stunde vor unserer ersten Verpflegungsstelle nach knapp 125 Kilometern wurde es langsam heiß, was den Bedarf an Flüssigkeit deutlich steigerte. 

Die erste Verpflegungsstelle war gut ausgestattet mit verschiedensten Speisen und wir konnten unsere Trinkflaschen mit frischen Getränken auffüllen. Unsere Taktik: zwei schnell gegessene Schüsseln mit Nudeln und Tomatensauce und gleich wieder mit Stefan aufs Rad bevor der Rest der Truppe wieder aufgeschlossen hatte und das Tempo gleich wieder auf etwa 35 km/h angehoben wurde.  Unseren Bauch wollten wir nicht gleich überlasten.

 Die nächsten 75 Kilometer waren von einigen Kopfsteinpflasterpassagen durchzogen und wir passierten ein längeres Stück, wo es durch den Wald ging. Die Straße fuhr sich dort, als hätte man eine Kopfsteinpflasterstraße nur mit einer zwei, drei Millimeter dicken Schicht aus Beton überzogen, die mittlerweile durch Frost brüchig ist. Die Ränder der schmalen Straße waren teilweise weggebrochen und es gab zur Krönung noch Bodenschwellen. Für mich eine Tortur für Nacken, Hintern und die Hände. 

Zu allem Überfluss kam bei Kilometer 205 ein sehr schlimmes Stück Kopfsteinpflaster, wo ich meine kleine Satteltasche mit Schlauch und Mini-Tool verlor. Da machte ich einen Anfängerfehler: Ich entschloss mich die Tasche wieder einzusammeln mit dem Erfolg, dass ich den Anschluss zu meinem Team verlor. Zwar wartete unser Begleitfahrzeug auf mich um mich wieder an die Gruppe ran zu fahren. Im Windschatten eines Autos konnte ich deutlich schneller fahren als normal, allerdings wurde uns nach einigen Minuten der Weg von einer großen Fahrergruppe so versperrt, dass wir zig Kilometer nicht überholen konnten. Ich wägte noch kurz ab und entschloss mich dann, die Aufholjagd zu beenden. Die Kilometer der Aufholjagd, in denen die Gruppe, die mit etwa 35 km/h unterwegs war, mit etwa 45-50 km/h verfolgen musste, hatten mir doch zugesetzt. 

Also rollte ich in der großen Gruppe, die uns den Weg versperrt hatte Beim nächsten Verpflegungsstelle traf ich nur noch zwei AOK Fahrer, die das Tempo des Teams nicht mehr mitgehen konnten.  Oliver Maaß, mein Begleiter aus Rangsdorf, kam kurz nach mir an der Verpflegungsstelle an und wir schlossen uns zusammen auf dem letzten Weg Richtung Ziel. 

Mittlerweile war es sehr heiß geworden und ich merkte mit jedem weiteren Kilometer die Führungsarbeit die ich in den ersten 200 Kilometern geleistet hatte. Der Sprinter musste nun doch hart kämpfen. Nach etwa 260 Kilometern wurde jede kleine Erhebung zu einer Herausforderung, da ich keinen Krampf provozieren wollte, was vermutlich das Aus bedeutet hätte. Ich quälte mich also mit Oliver zusammen immer weiter und muss im Nachhinein sagen, dass ich nicht mehr alles erinnern was auf den letzten Kilometern passierte. als wir dann endlich nach 9 Stunden und 40 Minuten Fahrzeit die Ziellinie überquerten, war ich riesig froh, dass die Schinderei ein Ende hatte und ich war stolz, diese große Herausforderung angenommen und bewältigt zu haben. 

Noch ist aus mir kein Straßenfahrer geworden, ich weiß noch nicht, ob ich mich der Herausforderung im nächsten Jahr wieder stelle, aber ich danke den Veranstaltern und Helfern für eine gelungene Veranstaltung, tolle Verpflegung, die gute Stimmung und viele prägende Erinnerungen.